Countdown
 

Marc Elsberg bei

Facebook  Facebook

Twitter  Twitter

Marc Elsberg

© Clemens Lechner

Marc Elsberg

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Er lebt und arbeitet in Wien.

» Hier geht's zum Video-Interview.

10 Fragen an Marc Elsberg

1. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Roman gekommen?
Warum haben Sie sich für das Thema Stromausfall entschieden?

Seit Jahren fasziniert mich die zunehmende Vernetzung in unserer globalisierten Welt – also die Tatsache, dass mehr denn je alles mit allem zusammenhängt. Irgendwann fragte ich mich: Was passiert, wenn ein Glied dieser Netze ausfällt? Oder gleich mehrere? Von dort war es nicht mehr weit zum Thema „kritische Infrastrukturen“. Ich fragte mich, womit Verbrecher oder Terroristen größtmöglichen Schaden anrichten könnten.

2. Blackout ist eine Fiktion, die auf Fakten beruht. Wie haben Sie recherchiert?

Bei den Recherchen bediente ich mich mehrerer Quellen: Eine waren Fachleute aus verschiedenen Bereichen. Wichtige Quellen finden sich natürlich in Nachrichten- und Fachmagazinen, in speziellen Studien, auf Unternehmenswebseiten und im Internet. Parallel zu meinen Recherchen entstand eine großangelegte Studie im Auftrag des Deutschen Bundestages über die Folgen eines länger anhaltenden, großflächigen Stromausfalls in einem Teil Deutschlands. Die Studie kam im Wesentlichen zu denselben Ergebnissen, einige Details und Erkenntnisse flossen in meinen damals praktisch schon fertigen Text ein.

3. In Ihrem Roman geht es um brisante Themen – Energieversorgung, Gesundheit, Ernährung, Computersicherheit etc. Wie sind Sie an die Informationen rangekommen? Haben die Experten freiwillig Auskunft gegeben?

Die Gespräche mit den Fachleuten in den Unternehmen waren eigentlich immer sehr konstruktiv und aufschlussreich. Allerdings wollen die Leute alle nicht genannt werden.

4. Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten verwundert bzw. bestürzt?

Trotz meines Interesses für die Materie war mir das Ausmaß der Vernetzung und gegenseitigen Abhängigkeiten nicht bewusst. Unsere moderne Gesellschaft ist komplett abhängig davon, dass all diese Systeme, die im Hintergrund längst völlig automatisiert ablaufen, reibungslos funktionieren. Tun sie das nicht, stürzen wir binnen kürzester Zeit zurück ins Mittelalter. Das finde ich eine beängstigende Vorstellung.

Erschreckend fand ich auch, wie wenig Gedanken sich Verantwortliche selbst in führenden Positionen über die weitergehenden Auswirkungen ihres Handelns gemacht hatten, aber auch wie wenig Wissen sie zum Teil darüber überhaupt besaßen. Kaum jemand sah das ganze Bild. Das hat sich inzwischen begonnen zu ändern.

5. Haben Sie schon mal die Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe „Für den Notfall vorgesorgt“ gelesen? Glauben Sie, dass wir für den Notfall versorgt sind?

Natürlich habe ich sie gelesen und war schockiert, dass ich in keinster Weise auf ein derartiges Ereignis vorbereitet wäre. Wie übrigens vermutlich sehr viele Menschen. Aus meinen Gesprächen mit den Fachleuten weiß ich aber auch, dass manche sehr wohl vorbereitet sind. Das geht bis zu privaten Schutzräumen, Waffen- und Munitionsvorräten.

6. Hat dieser Roman Ihre Lebensweise geändert? Haben Sie mehr Vorräte im Haus und ein Notstromaggregat gekauft? Wären Sie auf einen Blackout vorbereitet?

Jein. Ich folge im Wesentlichen den behördlichen Empfehlungen.

7. Welche Szene war für Sie am schwierigsten zu schreiben? Welche hat Sie am meisten Nerven gekostet?

Am Schwierigsten zu schreiben ... hm, zum einen der Anfang. Der muss einfach passen, damit man weiterlesen möchte. Ab der Hälfte des Buches wurde es zunehmend schwieriger, weil es für einen so langen Stromausfall kaum Szenarien, Annahmen und Modelle gab. Außerdem geraten die Figuren dann in immer tiefere Schwierigkeiten, aus denen man sie als Autor immer schwerer herausholen kann. Manche Szenen berühren einen natürlich besonders, vor allem wenn es ans Sterben geht. Es gab Phasen während des Schreibens, in denen ich mir schwor, in Zukunft nur mehr Liebesromane zu verfassen.

8. Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?

Ich lese sehr viel, verbringe Zeit mit meiner Frau und Freunden, liebe gutes Essen und trinke gern ein Glas Wein, gehe ins Theater und zu Konzerten, treibe Sport. Seit Blackout und Zero bin ich außerdem häufig zu Vorträgen und Diskussionen bei Unternehmen und Politik eingeladen.

9. Wie, glauben Sie, werden die Leser auf Blackout reagieren?

Im besten Fall haben sie spannende Stunden mit dem Buch verbracht, etwas gelernt, ein paar Denkanstöße bekommen und empfehlen es deshalb weiter.

10. Was war Ihre Absicht beim Schreiben dieses Romans? Ging es darum, ein spannendes Katastrophenszenario zu schildern oder wollten Sie Ihre Leser auf etwas Bestimmtes aufmerksam machen?

Zu allererst wollte ich ein spannendes Buch schreiben. Darin sollten die Leserinnen und Leser etwas über das wichtige und aktuelle Thema Energie und die Vernetzung der Welt in allen Bereichen erfahren. Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen gern lernen, wenn sie dadurch unterhalten und bewegt werden.